Die Schweiz ist prädestiniert für Startups

Wenn Startups und Grossunternehmen zusammenarbeiten, dann ist das oft eine Win-Win-Situation. Was ist es, das solche Kooperationen derart fruchtbar macht? Wir haben mit Veronica Lange und Andreas Kubli von UBS über den Wert von starken Partnerschaften und die Einzigartigkeit von Kickstart Accelerator gesprochen.

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Wieso interessiert sich UBS für Startups?

Andreas Kubli (AK): Uns wurde sehr früh bewusst, dass uns Fintech-Startups helfen können, den digitalen Wandel in der Bank zu beschleunigen und inzwischen haben Kooperationen für uns Tradition. Wir müssen nicht alles, was wir unseren Kunden anbieten, selber machen. Wenn ein Startup eine tolle Lösung hat, insbesondere in einem Bereich, welcher nicht zu unseren Kernkompetenzen gehört, sprechen wir gerne über eine mögliche Kooperation.

Veronica Lange (VL): Startups sind durch ihre Organisationsstrukturen häufig sehr viel agiler als ein grosser Konzern wie UBS. Dadurch können sie die Time-to-Market für neue Innovationen extrem reduzieren. Zudem haben sie oft spezifisches, technisches Know-how, welches für die Anwendung im Finanzsektor sehr interessant ist.

Was kann UBS Startups bieten?

VL: Kooperationen bieten eine typische Win-Win-Situation. Startups profitieren von einer etablierten Plattform mit einem grossen Kundenstamm und der Sicherheit einer vertrauenswürdigen Grossbank. Ausserdem bringen wir sehr viel Know-How mit: Bankerfahrung, kompetente Beratung, umfangreiches Fachwissen, persönlicher Kontakt, langjährige Beziehungen und exzellente Finanzprodukte.

AK: Zudem haben wir in den letzten Jahren viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Startups gesammelt. Das ist sehr wichtig, denn wenn ein Startup mit einem Konzern zusammenarbeitet, besteht immer die Gefahr, dass es von den komplexen Strukturen und Prozessen “erdrückt” wird. Wir haben aber sehr gute Wege gefunden, damit das nicht passiert und so erfolgreiche Kooperationen, beispielsweise mit bexio, DSwiss oder SumUp lanciert.

VL: Entscheidend für Startups ist sicherlich auch der Zugang zu Kapital. Hier können wir Start-ups, beispielsweise den Teilnehmern des Kickstart Accelerator, beim “Pitch” für Kapital bei Investoren unterstützen.

Wieso soll ich mit meinem Startup in die Schweiz an den Kickstart Accelerator kommen und nicht nach London, Singapur oder New York gehen?

AK: Der Kickstart Accelerator ist einmalig auf der Welt und eines der grössten firmenübergreifenden Startup-Förderprogramme Europas. Einmalig ist er deshalb, weil er von über 15 Grossunternehmen getragen wird und die Partner alle an einem Strick ziehen, um das Schweizer Innovations-Ökosystem zu fördern. Wir konnten aus dem letztjährigen Programm heraus sowohl mit Notakey als auch mit Zoa je einen Proof-of-Concept machen, an denen wir zurzeit noch arbeiten.

VL: Für die Schweiz spricht die hohe Kompetenz als Finanzplatz sowie ein starkes Bildungssystem, gepaart mit hervorragenden technischen Hochschulen, begabte Talente, ein sehr hohes Bildungsniveau und sehr viele potenzielle Investoren im Land. Auch globale Investoren schätzen die Schweiz. Viele von ihnen reisten im Januar an den Investor Summit nach Zürich, wo sie mit Schweizer Startups in Kontakt kamen.

AK: Das bereits angesprochene kooperative Element kenne ich von anderen Märkten weniger. Die Schweiz ist aufgrund der überschaubaren Grösse prädestiniert dafür.

Was war euer bester/überraschendster Moment bei der ersten Durchführung des Kickstart Accelerators im letzten Jahr?

AK: Mit Eric van der Kleij konnten wir einen ausgewiesenen Experten für den Aufbau eines Accelerator-Programms gewinnen. Die Art und Weise, wie es gelungen ist, in kürzester Zeit eines der grössten europäischen Programme zu etablieren, hat mir sehr imponiert. Das Zusammenwirken von verschiedensten Partnern mit einem gemeinsamen Ziel hat eine einzigartige Dynamik hervorgerufen.

VL: Ich war beeindruckt von der Qualität der Bewerber aus aller Welt. Zudem spürte ich intern ein grosses Interesse und riesiges Engagement der Mitarbeitenden den Accelerator und die Startups zu unterstützen.

Was erwartet ihr für den diesjährigen Accelerator und Startups aus welchen Bereichen würdet ihr gerne sehen?

AK: Das letztjährige Programm hat in Sachen Reichweite, Aufmerksamkeit und Projektstudien die Erwartungen übertroffen. Ich hoffe, dass sich dieses Jahr noch mehr Startups anmelden und wir noch mehr PoCs sehen werden. Ausserdem wollen wir den guten Ruf der Schweiz noch weiter in die Welt hinaustragen. Im besten Fall können wir ausländische Startups überzeugen, in der Schweiz ansässig zu werden. Auf bestimmte Bereiche möchte ich mich nicht festlegen, aber wenn ein Startup einen kollaborativen Spirit verfolgt, freue ich mich auf den Austausch.

VL: Dem kann ich mich anschliessen. Toll wäre eine Projektstudie in den Bereichen Distributed Ledger, Smart Contracts oder WealthTech. Aber ich bin auch sehr offen für andere Themen und lasse mich noch sehr gerne überraschen, mit welchen neuen Ideen Startups aus aller Welt zu uns kommen.